Lot n° 729

KRAUS Karl (1874 1936) ecrivain et pamphletaire autrichien.

Estimation : 4 000 - 5 000 EUR
Adjudication : 7 800 €
Description
MANUSCRIT autographe, Eine prinzipielle Erklärung [Une déclaration de principe], [novembre 1917] ; 9 pages et demie in-8 (avec insertion de 3 coupures de presse) sur 10 ff. in-8 collés au dos de feuillets d’épreuves ; en allemand. 

Manuscrit d’une conférence vigoureusement antimilitariste et pacifiste. Kraus a lu ce discours à Vienne les 11 et 18 novembre 1917, et de nouveau le 7 juin 1918, mais ne l’a publié dans sa revue Die Fackel (La Torche) que le 15 octobre 1918, sans doute à cause de la censure (Die Fackel, XXe année, nos 484-498, p. 232-240) ; il l’a recueilli en 1919 dans le premier volume de son Weltgericht. Il y exprime son désaccord avec le ministre
des Affaires étrangères d’Autriche le comte Ottokar CZERNIN (1872-1932), qui, après avoir demandé un désarmement international et entamé des négociations pour la paix, n’excluait cependant pas de continuer la guerre ; c’était le sens du discours de Czernin à Budapest le 2 octobre 1917 ; Kraus approuve avec ferveur la partie pacifiste du discours, mais en rejette la partie politique qui n’exclut pas de continuer la guerre. Le manuscrit, d’une petite et fine écriture nerveuse à l’encre noire, présente des ratures et corrections. Kraus y a inséré deux coupures de presse. Il a collé les feuillets de son manuscrit au dos d’épreuves de poèmes pour sa revue Die Fackel. Nous en citerons le début, où Kraus exprime son espoir d’une paix durable, et sa fierté que cette idée soit née en Autriche. Cette paix devrait rétablir la dignité de l’homme face au cauchemar du militarisme ; pour une fois, l’Idée remplacerait le Sabre ; et les idées de Kant assureront mieux l’avenir de l’humanité
que les canons de Krupp… « Es hat vor einigen Monaten einen Augenblick in der Weltgeschichte gegeben, wo die Hoffnung aufleuchtete, daß diese zerschundene Maschine, die Mensch genannt wird, wieder zum Menschen werden könnte, und weil diese Hoffnung in Österreich geboren wurde, war’s auch die Hoffnung, ein Patriot zu sein, Patriot im edelsten, längst nicht mehr vorrätigen, längst vergriffenen, längst ersetzten und verfälschten und nun plötzlich wieder lebendigen und heimatsberechtigten Sinne. Es waren Worte gesprochen worden, die mehr waren als Taten, denn sie waren die Erholung von Taten; Worte, deren letztes freilich wieder der Tat glich und darum dem Glauben die Aussicht auf Erfüllung entrückte. Dennoch, es war die Idee; nach dem verhängnisvollen Walten der Quantität doch etwas vom Geiste. Es war zum erstenmal aus dem Munde eines mitteleuropäischen Staatsmannes die Sehnsucht der Menschen bejaht worden, sich
von dem furchtbarsten Erdenfluche, unter dem sie je seit Erschaffung ihren Nacken gebeugt hielt, durch ein Machtwort über sich selbst, also durch den Aufstand der Menschenwürde zu befreien, vom Militarismus nicht als einer wirtschaftlichen Last allein, sondern von dem Alpdruck der militaristischen Lebensanschauung, und nicht mehr jener, die einst als das Vorrecht eines Berufs das Leben auf die Spitze eines Säbels gestellt hat, sondern der Geistesrichtung, die das Leben unter dem Verhängnis tödlicher Zufallswirkungen und einer meuchelmörderischen Technik zum Ersatz für Menschenrechte und zur Sicherung merkantiler Interessen gefangen hält. Der Staat schien plötzlich der Menschheit Recht zu geben in ihrem bis dahin strafbaren Verlangen nach Selbstbefreiung aus der schmachvollsten Knechtschaft, in die ihr Erwerbsgeist die schuldige und unschuldige Kreatur gejagt hat, als ein organisiertes Schicksal über allem Lebendigen, Männern und Müttern, Säuglingen und Tieren, immer die würgende Faust zwischen die Sonne und dieses kurze Menschendasein gereckt. Daß diese Teufelsmacht es verstanden hatte, die Träger des staatlichen Machtideals herumzukriegen, sich gar die alte Glorie für ihre schmutzige Neuerung auszuleihen und schließlich durch den Tod der Menschheit zum hohnlachenden Triumph des Wuchers über den wehrlosen Schlachtensieg zu führen — dies ungeheuerste Erlebnis behält durch alle Wirklichkeit hindurch die närrische Gestaltung eines Fiebertraums, und die unter uns nicht stehlen, sondern nur fühlen, müssen in einem narkotischen Zustand die Zeit durchschreiten, um dieses
Unmaß von Phantastik außerhalb des Tollhauses durchzuhalten. Wie könnte uns Vernunft und Ehre sonst erlauben, Raumgenossen dieser Zeitgenossen zu sein? Wie könnten wir seit vier Jahren in dieser Hyänenluft den Lebensmut aufbringen, uns um das tägliche Brot zu quälen? Nun war’s ein Augenblick, zu glauben, die Menschheit hätte die Prüfung bestanden und sei reif zur Reue. Nicht mehr werde es künftig die ingeniöse Phantasiearmut vermögen, uns in diese Delirien zu treiben. Der menschheitswidrige Gedanke, der den Lebenszweck dem Lebensmittel und also dem Todesmittel unterstellt hat, liege in den letzten Zügen. Nicht fortsetzbar sei der Zustand, daß nicht nur einer Klasse von Buntgekleideten Gewalt über die Farblosen gegeben ist, sondern daß alle auf einmal durch ein Zauberwort bunt werden können, alle über alle Macht gewinnen, alle vor allen Ehre gewinnen, alle gezwungen sind, einander zu grüßen und allerhand Hochachtung vor einander zu haben. Ich, der ich vor der Gesellschaft um so weniger Hochachtung habe, je mehr sie in ihrem eigenen Ansehen steigt, der sie im Gegenteil erst dann auf das tiefste mißachtet, sobald sie ihre abgelebten Machtvorstellungen mit ihrer frischen Raubgier verbündet, sich selbst zu wechselseitiger Bewucherung mobilisiert und einen Jargon aus Fibel und Börse nachbetet, wenns die gute Sache der allgemeinen Peinigung gilt — ich muß bekennen, daß ich an den Entschluß zur Einkehr, an den Ernst der Erkenntnis, daß die Zukunft des Geschlechts bei Kant besser als bei Krupp aufgehoben sei, ernsthaft geglaubt habe »... Etc.
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